"Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar.”

Astrid Lindgren in Pippi Langstrumpf

 


Unsere Entstehungsgeschichte

Die Situation der Hebammen ist nicht rosig. Das ist mittlerweile hinreichend bekannt. Entsprechend besteht seit einiger Zeit große Unzufriedenheit bei den Hebammen in Klinik und außerklinischer Arbeit. Lange haben Hebammen auf Besserung gehofft und darauf vertraut, dass die Hebammenverbände gemäß ihrer Funktion die Interessen des Berufsstandes gut gegenüber Politik und Krankenkassen vertreten. Auch wussten viele nicht so recht, wie sie alleine und mit den zeitlich begrenzten Ressourcen einer viel beschäftigten Hebamme etwas bewirken konnten.

Im Herbst 2015 wurde der Schiedsspruch zum Versicherungszuschlag veröffentlicht mit unglaublichen Bedingungen für die außerklinische Geburtshilfe. Auf einen offenen Brief einer engagierten Berliner Hebamme war die Reaktion der Spitze des verhandelnden Verbandes sehr ernüchternd. Das brachte das Fass zum Überlaufen. Es musste etwas geschehen. Der Ärger über die Situation und der Verdacht auf Unprofessionalität mussten Luft bekommen.

Es gab einen Aufruf zu einem Treffen von Hebammen, die sich für ihren Beruf einsetzen möchten und dafür kämpfen wollen. Der Wunsch nach Gleichgesinnten war groß, um gemeinsam eine angemessene Art des Protestes zu finden.

So fanden – spontan und kurzentschlossen – 50 Hebammen zu einem ersten Treffen zusammen! Es war überwältigend, dass so viele Hebammen offensichtlich den selben Ärger verspürten und sich alle für eine Besserung einsetzen wollten. Es schien vorher undenkbar, so viele Hebammen so kurzfristig zusammen zu trommeln.

 

Es war ein großartiger und sehr konstruktiver Abend und der Beginn der Midwife Rebels. Der Name der Gruppe entstand aus einem ersten Impuls und wurde in einem Basis-Entscheid verfestigt: Wir möchten kritisch sein, gar rebellisch, uns für die Basis unseres Berufsstandes einsetzen und ihr Gehör verschaffen. 

 


Große Pläne – Wie wir erst einmal aktiv wurden…

In erster Linie war es uns wichtig, uns Gehör zu verschaffen. Unseren Interessenvertretungen, den Hebammenverbänden, unsere Meinung bekannt zu machen. Da die Gründung der Midwife Rebels kurz vor der Bundesdelegierten-Tagung (BDT) des Deutschen Hebammenverbandes (DHV) geschah, konzentrierten wir uns also zunächst auf die BDT 2015.

Warum aber ausgerechnet die Konzentration auf den DHV und die BDT?

Aus mehreren Gründen:

19.000 der geschätzt 22.000 Hebammen in Deutschland sind Mitglied im DHV. Damit vertritt er die größte Gruppe der Hebammen berufspolitisch, u.a. bei Gebühren- und anderen Verhandlungen. Dieser Umstand gibt dem DHV die größte berufspolitische Macht, womit er kleinere Verbände wie den Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands (BfHD) und den Dachverband für Hausgeburtshilfe (DfH) unter Druck setzen kann.

Der Gedanke lag also nah, genau im Zentrum anzusetzen. Bei den Treffen wurde schnell deutlich, dass viele Hebammen, die freiberuflich tätig sind, auf Grund eines gefühlten oder realen Zwangs Mitglieder im DHV sind, da man nur so an der Gruppenhaftpflichtversicherung teilhaben kann. (Diese Haftpflichtversicherung des DHVs ist zwar nicht mehr die einzige Versicherungsmöglichkeit, bestimmte freimarktwirtschaftliche Konditionen der Konkurrenz machen die Verbandsversicherung allerdings weiterhin alternativlos für viele.) So hat der Verband viele Mitglieder, die sich gar nicht (gut) von ihm vertreten fühlen. Die Alternativ-Verbände scheinen jedoch so spezialisiert (freiberufliche Hebammen oder Hausgeburtshebammen), dass viele keine wahre Alternative sehen.

Aus diesen Gründen haben wir uns sehr auf den DHV konzentriert. Als jährlich stattfindendes, verbandspolitisches, demokratische Entscheidungsgremium haben wir also die BDT nutzen wollen, um gehört zu werden, Veränderungen anzuregen und so hoffentlich etwas bewirken zu können. Bei diesen Tagungen kommen jährlich Delegierte der 16 Landesverbände mit dem Präsidium des DHV zusammen, um verschiedene Themen zu diskutieren, Anträge zu stellen und Entscheidungen zu treffen.

 

Eine Gruppe der Midwife Rebels ging also als Gäste und Delegierte zur BDT 2015, um den allgemeinen Unmut kundzutun. Dies erfolgte in Form einer Stellungnahme, die für Diskussionen sorgte und sowohl Zuspruch als auch Widerstand erfuhr. Außerdem hatten sich zuvor diverse Rebellinnen beim Berliner Hebammenverband für verschiedene Anträge stark gemacht, die der Berliner Landesverband in die Versammlung gebracht hat. Vor allem wollten wir ein Sprachrohr sein, dass dem Präsidium des DHV die Stimme der Mitgliederbasis näherbringt. Dies wollen wir auch für die Zukunft erhalten und verbessern. Aufgrund der sich überschlagenden Aktionen und des Zeitmangels waren wir nicht perfekt vorbereitet. In der Zukunft werden wir dafür mehr Zeit einplanen und die Anliegen der einzelnen Hebammen aus den Kliniken und außerklinisch hören und sammeln und gezielter vertreten.